Donnerstag, 26. April 2012

Architektur: Der Mudejarstil

Typisch kanarisch ist auch der Teil der Kultur und Kunst, der sich in den Gebäuden zeigt: die Architektur auf den Kanaren, die besonders dann als "typisch" gilt, wenn sie Elemente des sogenannten Mudejàr-Stils aufweist.
Dort, wo man vom Herren- bis zum Bauernhaus den Mudejar-Stil findet, kann man die Zeugnisse einstiger arabischer Königreiche der "Mohren" auf der Iberischen Halbinsel erkennen.
Nachdem Spanien die besetzten Gebiete - wir schreiben das Jahr 1492, in dem auch Kolumbus eine nicht unwesentliche Entdeckung etwas weiter westlich machte-, die in der Zeit als maurisches Königreich eine entsprechend fortgeschrittene kulturelle, handwerkliche und wissenschaftliche Entwicklung erlebt hatten, zurück erobert hatten, verblieb das Kulturgut der einstigen Besatzer im Volk. Die Mauren, die noch im Land verblieben, hatten, um der Inquisition zu entgehen, nur eine Möglichkeit: konvertieren, das Christentum anerkennen, sich assimilieren - und die Neuentdeckung der Kanaren und ihre Eroberung nutzen, um nach wie vor unter spanischer Flagge, aber mit etwas mehr Distanz zum Königssitz, neu zu beginnen. So fallen die ersten, in der konstanten Wärme der Kanaren nicht ungeeigneten, Mudejàr-Bauten in die Zeit der ersten spanischen besiedlungsperiode der kanaren - und verteilen sich über die ganze Inselgruppe. Nach wie vor gilt der Mudejàrstil als kanarische Eigenheit, die von den Canarios liebevoll bewahrt wird.

 
Kirche Santa Maria in Betancuria - Fuerteventura (erb. 1410 - zerstört - wiedererbaut Ende des 16. Jhdts.)



Merkmale des Mudejarstils sind Bruchsteinwände ohne Mörtel, die aufgrund ihrer Eigenschaft, Hitze abhalten zu müssen, recht dick waren.
Einfach gehaltene Fassaden mit steinverzierten Ecken (vgl. das Bild oben) und Portalen, in größeren Häusern findet sich der sogenannte "Patio", der kanarische Innenhof, den man auf dem Foto von Ansgar Hillebrand schön sehen kann. Es zeigt einen Patio auf Teneriffa, der, ebenfalls typisch für die ausladende Architektur der Herrenhäuser, von einer Galerie umrandet ist.

Die erkannbaren verzierten Holzarbeiten sind das augenscheinlichste und wesentlichste aller Merkmale (s.o.) - außerdem holzgearbeitete Sprossen- und/oder Schiebefenster meist zur Straßenseite hin, wie hier auf dem Kirchplatz in Teror - Gran Canaria (Norden).

farbenfrohe Fliesenarbeiten an den Wänden und auf dem Boden im Inneraum ergänzen dasorientalische Erscheinungsbild des Mudejar-Stils und wurden auf den Kanaren durch den Einsatz inseltypischer Rohstoffe wie Lava und glattgeschliffenen Meereskieseln, die auf den wichtigen Plätzen der Ortschaften -aber auch in wohlhabenden Privathaushalten - zu Bodenmosaiken (s.u.) zusammengesetzt wurden, ergänzt.
Schneejungfrauenkirche - La Palma

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